Die wirtschaftliche Lage des Handwerks 2023
Das Handwerk sieht positiven Zeiten entgegen, aber die Bewältigung von Herausforderungen wie beispielsweise dem Fachkräftemangel und steigenden Energiekosten wird entscheidend sein. Entdecken Sie jetzt, welche Themen 2023 für das Handwerk von besonders großer Relevanz sind und erkennen Sie so Strategien und Maßnahmen, die Handwerksbetriebe ergreifen können, um sich für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten und erfolgreich zu bleiben.
Wichtiges zur Konjunkturentwicklung im Handwerk in Kürze
- Die wirtschaftliche Situation im Handwerk hat sich nach einem Rückgang im dritten Quartal 2022 zu Beginn des Jahres 2023 verbessert.
- Die Geschäftslage blieb auf einem hohen Niveau stabil, mit 48 Prozent der Betriebe, die von guten Geschäften im ersten Quartal 2023 berichteten.
- Dank staatlicher Entlastungsmaßnahmen in Bezug auf Energiekosten, einer Entspannung der Lieferketten und einem Rückgang der Inflation haben sich die Geschäftserwartungen der Handwerksbetriebe 2023 im Vergleich zum Vorjahr 2022 erholt.
- Der Geschäftsklimaindikator für das Handwerk, der Lage und Erwartungen kombiniert, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 2 Punkte auf 120 Punkte.
- Die Umsatzentwicklung wurde durch hohe Energiepreise, Verbraucherpreisinflation und Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank beeinträchtigt. Daher wird erwartet, dass die Umsätze im Jahr 2023 aufgrund geringerer Preissteigerungsraten etwas geringer ausfallen als im Vorjahr.
- Das nominale Umsatzwachstum wird voraussichtlich nicht ausreichen, um den Preisanstieg auszugleichen, und das reale Umsatzwachstum wird negativ sein.
- Die Beschäftigung im Handwerk wird voraussichtlich ebenfalls leicht zurückgehen.
- Die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten blieb konstant bei 80 Prozent, aber die Auftragspolster sanken leicht.
- Die Fachkräftelücke im Handwerk konnte nicht verringert werden und die Beschäftigtenzahlen gingen leicht zurück.
- Die Großhandelspreise für Strom und Gas sind im Vergleich zum Vorjahr gesunken, und die Lieferketten haben sich erholt.
- Die Erwartungen für die Geschäftsentwicklung, Umsätze und Auftragsbestände sind positiv, aber das konjunkturelle Umfeld bleibt risikoreich.
Besonders gefragte Gewerke 2023
Mit der Beschleunigung der Energiewende erleben Handwerksbetriebe, die sich mit der Installation von Photovoltaik-Anlagen und passenden Speicherlösungen beschäftigen, ein Auftragshoch. Die Nachfrage übersteigt aktuell das Angebot, und es mangelt an ausreichend qualifizierten Fachkräften, um den Bedarf zu decken. Betriebe, die in diesem Bereich tätig sind, haben die Möglichkeit, von dieser hohen Nachfrage zu profitieren und ihre Kapazitäten auszubauen. Durch die steigende Akzeptanz und Nachfrage nach erneuerbaren Energien bieten sich hier gute Zukunftsaussichten.
Ein weiteres Gewerk, das zukünftig von den rauen Zeiten profitieren wird, sind Betriebe, die Wärmepumpen einbauen. Diese Entwicklung würde durch das aktuell diskutierte neue Gebäudeenergiegesetz noch verstärkt werden. Denn dieses Gesetz würde eine Pflicht zum Umstieg auf Heizungen mit 65 Prozent erneuerbarer Energie ab dem 1. Januar 2024 beim Einbau neuer Heizungen bedeuten. Mit dem Fokus auf die Reduzierung von CO2-Emissionen gewinnen Wärmepumpen als alternative Heizsysteme also immer mehr an Bedeutung. Die Nachfrage nach diesen energieeffizienten Lösungen ist hoch und wird voraussichtlich weiter steigen. Handwerksbetriebe, die sich auf die Installation und Wartung von Wärmepumpen spezialisieren, haben somit gute Chancen, von diesem Trend zu profitieren und ihre Geschäfte auszubauen.
Trotz der positiven Aussichten in den genannten Gewerken gibt es jedoch auch Herausforderungen zu bewältigen. Neben dem Fachkräftemangel besteht häufig ein Engpass bei den Komponenten wie Solarpaneelen oder Wärmepumpen. Die Industrie kann oft nicht genügend Stückzahlen liefern, um die hohe Nachfrage zu bedienen. Handwerksbetriebe müssen daher nicht nur qualifizierte Fachkräfte gewinnen, sondern auch die Beschaffung der benötigten Komponenten sicherstellen. Hier ist eine gute Planung und enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und Herstellern entscheidend, um eine reibungslose Umsetzung der Projekte zu gewährleisten.
Top Themen für das Handwerk 2023
Im Hinblick auf die Zukunft des Handwerks im Jahr 2023 gibt es zentrale Themen, denen Unternehmer besondere Aufmerksamkeit schenken sollten.
Erstens ist die Sicherung der eigenen Fachkräftebasis von großer Bedeutung. Die demografische Entwicklung stellt das Handwerk vor die Herausforderung, ausreichend qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Es ist mittlerweile auch im öffentlichen Bewusstsein angekommen, dass der Transformationsprozess in Deutschland nur mit qualifizierten Fachkräften aus dem Handwerk erfolgreich sein kann. Das Handwerk spielt eine herausragende Rolle bei der Dekarbonisierung, da Handwerker beispielsweise die politischen Zielvorgaben bei der Nutzung von Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen in konkrete Erfolge umsetzen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung und im allgemeinen gesellschaftlichen Interesse, wieder mehr junge Menschen für eine berufliche Ausbildung im Handwerk zu begeistern. Oft bieten Handwerksbetriebe ausreichend Ausbildungsplätze an und sind bereit, auszubilden. Allerdings fehlen häufig die Bewerberinnen und Bewerber. Eine Bildungswende ist dringend erforderlich. Zu diesem Zwecke fordert der Zentralverband des deutschen Handwerks, dass die Politik die akademische und berufliche Bildung gleichermaßen fördert und wertschätzt, und dass entsprechende Berufe finanziell besser entlohnt werden. Zu weiteren Strategien, um jüngere Leute für das Handwerk zu begeistern, gehört beispielsweise eine engere Zusammenarbeit mit Schulen, um frühzeitig auf die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk aufmerksam zu machen. Zudem betonen Vertreter des Handwerks, dass es zukünftig nicht so weitergehen dürfe, dass das Handwerk jedes Jahr erneut um finanzielle Unterstützung für seine Bildungszentren kämpfen muss. Generell bedarf es erheblicher Investitionszuschüsse des Bundes, um die Ausstattung seiner Bildungszentren mit Robotik, digitalen Technologien und modernster Wärmepumpentechnik zu gewährleisten.
Zusätzlich zur Fachkräftegewinnung in Deutschland sollten verstärkte Anstrengungen unternommen werden, um Zuwanderer mit handwerklichen Fähigkeiten für den deutschen Arbeitsmarkt zu gewinnen und zu integrieren. Denn der deutsche Arbeitsmarkt bietet zahlreiche Möglichkeiten für ausländische Fachkräfte und viele von ihnen bringen handwerkliche Fähigkeiten und Qualifikationen mit, die im deutschen Handwerk dringend benötigt werden. Diese Potenziale gilt es ebenfalls zu erkennen und zu nutzen, um den Fachkräftebedarf in verschiedenen Handwerksberufen zu decken. Hierzu können gezielte Recruiting-Maßnahmen im Ausland, wie beispielsweise Jobmessen oder Kooperationen mit ausländischen Bildungseinrichtungen, durchgeführt werden.
Die Gewinnung dieser Kräfte ist dabei nur der erste Schritt. Auf ihn muss auch eine erfolgreiche Integration in den deutschen Arbeitsmarkt erfolgen. Hierbei spielt eine effektive Sprachförderung eine zentrale Rolle. Sprachkurse, die auf die fachspezifischen Anforderungen des Handwerks ausgerichtet sind, würden es ausländischen Fachkräften ermöglichen, schnell und effizient in den Betrieben zu kommunizieren und ihre Fähigkeiten einzubringen. Zudem ist es von Bedeutung, die kulturellen Unterschiede zu berücksichtigen und den ausländischen Fachkräften eine Willkommenskultur zu bieten, die sie sich geschätzt und unterstützt fühlen lässt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Anerkennung von ausländischen Qualifikationen. Eine transparente und effiziente Anerkennungspraxis ermöglicht es den Fachkräften, ihre erworbenen Fähigkeiten und Kenntnisse anerkennen zu lassen und entsprechend in den deutschen Arbeitsmarkt einzusteigen. Hierbei sollten bürokratische Hürden abgebaut und Verfahren beschleunigt werden, um den Prozess der Anerkennung zu erleichtern. Nur so kann das Handwerk durch fähige Fachkräfte weiterhin eine wichtige Rolle für die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft spielen und zukunftsfähig bleiben.
Zweitens ist die Thematik der steigenden Energiekosten von großer Relevanz für das Handwerk. Der Ukraine-Konflikt und die damit verbundenen geopolitischen Spannungen hatten große Auswirkungen auf die Energiepreise. Insbesondere energieintensive Betriebe sollten daher alternative Energieträger in Betracht ziehen, um Kosten zu senken, zugleich einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und sich für die Zukunft vorbereiten, indem sie auf die Energieträger der Zukunft umrüsten. Dies kann beispielsweise die Umstellung auf erneuerbare Energien wie Solarenergie, Windenergie oder Biomasse umfassen. Zudem bietet die Energieeffizienzsteigerung im Betrieb Potenziale zur Kosteneinsparung. Durch Investitionen in moderne Technologien und Anlagen können Betriebe ihre Energiebilanz verbessern und wettbewerbsfähig bleiben.
Das dritte wichtige Thema für die Zukunft des Handwerks ist die Digitalisierung. Obwohl die handwerkliche Arbeit in vielen Gewerken stark von manuellem Geschick und handwerklichem Know-how abhängt, bieten digitale Technologien dennoch zahlreiche Möglichkeiten zur Optimierung von Geschäftsprozessen und zur Steigerung der Effizienz. Die Vernetzung von Anlagen und Maschinen ermöglicht beispielsweise eine verbesserte Steuerung und Überwachung von Produktionsprozessen. Zudem können digitale Lösungen in den Bereichen Kundenkommunikation, Auftragsabwicklung und Buchhaltung helfen, Abläufe zu vereinfachen und zu beschleunigen. Eine Weiterbildung der Beschäftigten im Umgang mit digitalen Technologien und die Schaffung einer entsprechenden IT-Infrastruktur sind dabei von zentraler Bedeutung. Gerne unterstützen wir Sie dabei Ihre Arbeitsabläufe zu digitalisieren und somit zu einer beschleunigten Abwicklung beizutragen: Digitalisierung mit der Top Steuerkanzlei Gernoth
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wirtschaftliche Situation im Handwerk im Jahr 2023 im Vergleich zu 2022 besser ist. Es gibt vielversprechende Gewerke der Zukunft, insbesondere im Bereich erneuerbare Energien wie Photovoltaik-Anlagen und Wärmepumpen. Allerdings gibt es auch große Herausforderungen wie den Fachkräftemangel und Engpässe bei Komponenten. Um erfolgreich zu sein, ist es wichtig, qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen, die Beschaffung sicherzustellen und die Digitalisierung voranzutreiben. Die Sicherung der Fachkräftebasis, die Bewältigung hoher Energiekosten und die Digitalisierung sind zentrale Themen für die Zukunft des Handwerks im Jahr 2023. Es sind also Herausforderungen zu bewältigen, aber mit den richtigen Strategien und Investitionen können Handwerksbetriebe aufblühen und ihre Geschäfte ausbauen. Gerne helfen wir als Experten in der Steuerberatung für Handwerker Ihnen dabei wirtschaftlich erfolgreich zu sein: Steuerberater für Handwerker - Top Kanzlei Gernoth