Turnaround im Unternehmen

Turnaround im Unternehmen

Ein Einbruch der Umsätze und der Gewinne eines Unternehmens kann in vielen Fällen ein maßgeblicher Faktor dafür sein, dass sich das Unternehmen plötzlich in einer Krisensituation befindet. Besonders dann, wenn keine absehbare Besserung der finanziellen Lage in Sicht ist, kommt es häufig zu Liquiditätsengpässen, welche zu ernsthaften Problemen führen und im schlimmsten Fall sogar eine Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens verursachen können.

Ein sogenannter Turnaround, auch bekannt als Restrukturierung oder Umstrukturierung, kann in solchen Fällen einem Unternehmen dabei helfen, schnellstmöglich und zielgerichtet aus einer akuten Krisensituation herauszukommen und die Zahlungsfähigkeit wiederherzustellen. Mit den zu einem Turnaround üblicherweise zugehörigen Maßnahmen soll dabei eine mögliche Zahlungsunfähigkeit und alle damit verbundenen Folgen – in drastischen Fällen also ein Insolvenzverfahren sowie eine Auflösung des Unternehmens – unter allen Umständen verhindert werden. Im Anschluss an die akute Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit des Unternehmens kann dieses dann langfristig wieder in die Gewinnzone geführt werden.

Turnaround-Management

Ein Unternehmen, welches sich in einer Krisensituation verbunden mit Liquiditätsengpässen und einer drohenden Zahlungsunfähigkeit befindet, hat in den meisten Fällen bereits einen besonders stark eingeschränkten Handlungsspielraum. Um trotzdem die richtigen Schritte, welche zur Wiederherstellung der Zahlungsfähigkeit führen, einleiten zu können, bedarf es in solchen Situationen einer besonderen Art von Krisenmanagement mit gezielten Methoden und Maßnahmen, welche auch unter dem Begriff Turnaround-Management verstanden werden.

Ziele während eines Turnarounds

In erster Linie sollte im Rahmen eines solchen Turnaround-Managements das Ziel verfolgt werden, die Liquidität wiederherzustellen bzw. zu sichern und das Eigenkapital des Unternehmens zu erhalten, um ein Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung zu vermeiden. In seltenen Fällen kann ein Insolvenzverfahren allerdings auch eine Möglichkeit darstellen, um einen Turnaround im Unternehmen durchzuführen, ohne dieses im Anschluss auflösen zu müssen. Die Begriffe Regelinsolvenz, Insolvenz in Eigenverantwortung sowie Schutzschirmverfahren, welche alle aus dem Insolvenzrecht stammen, beschreiben hier den Rahmen für eine solche Möglichkeit.

Neben der Sicherung der Zahlungsfähigkeit können auch im operativen Bereich eines Unternehmens Maßnahmen im Rahmen des Turnaround-Managements ergriffen werden, unter anderem die Neuausrichtung auf neue Zielgruppen, Märkte und Kunden sowie Änderungen im Angebot des Unternehmens. Auch die Sicherung der Arbeitsplätze im Unternehmen stellt eine wichtige Komponente dieser Maßnahmen dar.

Strategische Aspekte

Um ein Unternehmen aus einer Krisensituation wieder in geordnete Verhältnisse zu führen, müssen auch mehrere strategische Aspekte beachtet werden, welche stark von der konkreten Situation des Unternehmens abhängen. So ist eine pragmatische und transparente Analyse der verschiedenen Geschäftsbereiche des Unternehmens eine unbedingt notwendige Voraussetzung dafür, die noch gut funktionierenden Geschäftsfelder und die Stärken des Unternehmens definieren zu können und gleichzeitig eventuelle Problembereiche zu identifizieren. Mit den aus einer solchen Analyse resultierenden Ergebnissen können dann weitere Entscheidungen hinsichtlich des Umgangs mit den stärkeren und schwächeren Bereichen des Unternehmens getroffen werden, unter anderem in Bezug auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Zahlungsmittel, Investitionsmöglichkeiten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch rechtliche Vorgaben, bestehende Verträge mit Kunden und Lieferanten sowie der bestehende Wettbewerb und die Marktsituation stellen wesentliche Faktoren für das weitere Vorgehen dar und sollten ausführlich beleuchtet und analysiert werden.

Wenn dann anschließend relevante Entscheidungen getroffen werden konnten, sollten für die Umsetzung der daraus resultierenden Aufgaben besondere Vorgaben beachtet werden. So ist es unerlässlich, sowohl bei der Entscheidungsfindung als auch während der Umsetzung der Ergebnisse eine pragmatische Herangehensweise zu verfolgen, da für die Entwicklung langfristiger Strategien und Konzepte vorerst schlichtweg keine Zeit zur Verfügung steht. Gleichzeitig sollte es das Unternehmen schaffen, die größten und damit wichtigsten Problembereiche schnell zu identifizieren und dann auch fokussiert zu behandeln, um diese schnellstmöglich lösen zu können und sich gleichzeitig nicht mit vielen kleineren Problemen zu verzetteln.

Wichtige Unternehmensbereiche

In Bezug auf die Bewertung und Analyse der finanziellen Situation eines Unternehmens lassen sich offensichtlich viele relevante und möglicherweise wichtige Informationen aus den Bilanzen eines Unternehmens ablesen. Im Rahmen der Maßnahmen eines Turnaround-Managements sind besonders die Positionen im Umlaufvermögen der Bilanzen interessant, da hier möglicherweise Optionen für die Verbesserung der Liquidität und die Sicherung der Zahlungsfähigkeit zu finden sein können. Unter anderem können beispielsweise Möglichkeiten zum Zahlungsaufschub geprüft und Verträge, welche zu Auszahlungen führen, soweit möglich gekündigt oder stillgelegt werden. Ebenfalls aus den Unternehmensbilanzen werden möglicherweise Geschäftsbereiche ersichtlich, welche einen negativen Cashflow aufweisen. Diese können gegebenenfalls stillgelegt oder abgestoßen werden, stattdessen gilt der Fokus den gewinnbringenden Geschäftsbereichen, welche falls möglich ausgebaut werden. Auch hier sollte aber der Grundsatz gelten, dass im ersten Schritt alle Maßnahmen ausschließlich der Liquiditätsverbesserung und der Sicherung der Zahlungsfähigkeit dienen, während erst im Anschluss daran sowie bei einer allgemeinen Verbesserung der Unternehmenssituation mittel- und langfristige Maßnahmen zur Rückkehr des Unternehmens in die Gewinnzone in den Fokus rücken.

Mögliche Sofortmaßnahmen

Um den Erfolg der im Rahmen des Turnaround-Managements eingeleiteten Maßnahmen messen und bewerten zu können, sollte ein Unternehmen in einer Krisensituation in kurzen und regelmäßigen Abständen die Liquidität und die damit verbundene Zahlungsfähigkeit prüfen. Dabei kann die Analyse des Cashflows auf tägliche oder wöchentliche Ein- und Auszahlungen reduziert werden, um bei einer ausbleibenden positiven Entwicklung möglichst kurzfristig zu reagieren.

Gleichzeitig können viele pragmatische Maßnahmen wie z.B. die konsequente Forderung von Außenständen, der Verkauf von ungenutzten Kapazitäten, die effizientere Nutzung von Lieferantenkrediten sowie im Extremfall der Abbruch von laufenden, kostenintensiven Projekten zu einer akuten Verbesserung der finanziellen Situation eines Unternehmens beitragen und sollten bei der Entscheidungsfindung im Rahmen des Turnaround-Managements nicht unterschätzt werden.

Auch bezüglich der personellen Besetzung der Entscheidungsträger während eines Turnarounds sollte transparent und vorbehaltslos analysiert werden, ob alle notwendigen Erfahrungen und Kompetenzen eingebracht werden und ob Aufgaben und Verantwortungsbereiche klar definiert und voneinander abgegrenzt sind, um den Erfolg der einzuleitenden Maßnahmen und damit den grundlegenden Unternehmenserfolg nicht zu gefährden.