Notfallmanagement für Ärzte: Der Notfallkoffer

Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

Durchschnittlich passieren in deutschen Krankenhäusern rund 20 ambulante Notfälle pro Tag. Das belegt eine unabhängige Studie des Statista Research Departments. Diese Zahl mag auf den ersten Blick nicht besonders dramatisch erscheinen und dennoch bereitet sie Experten der Notfallmedizin Sorgen. Denn die Kommunikation zwischen verschiedenen Versorgungsbereichen ist nicht immer hinreichend gegeben. Umso wichtiger also, sich als Arzt rechtzeitig auf den Notfall, ganz gleich wie er auch aussehen sollte, vorzubereiten. Denn das kann wertvolle Minuten verschaffen und im Fall der Fälle wahrlich Leben retten.

Wir haben in diesem Artikel alles Wichtige zum Thema medizinischer Notfallkoffer zusammengestellt und informieren Ärzte zudem darüber, welche betriebsbedingten Vorkehrungen sie für den Ernstfall treffen können. Denn Notfallkoffer ist nicht gleich Notfallkoffer! Wir erklären aus diesem Grund auch den Unterschied zwischen medizinischen und betriebsbedingter Notfallkoffer.

Notfallkoffer ist nicht gleich Notfallkoffer!

In der Praxis unterscheidet man grundsätzlich zwei Arten von Notfallkoffern: Den medizinischen und den betriebsbedingten. Ersteres meint dabei Notfallkoffer, die für medizinische Notfälle und sofort vor-Ort Versorgung ausgelegt sind. Sie enthalten verschiedenste Hilfsmittel und Utensilien der Ersten Hilfe sowie Medikamente.

Der betriebsbedingte Notfallkoffer ist dagegen mit für den Betrieb relevanten Unterlagen ausgestattet und soll im Notfall dafür sorgen, dass der Geschäftsbetrieb bei Aus- oder Wegfall des Geschäftsführers reibungslos fortgeführt werden kann. Aus diesem Grund raten immer mehr Steuer- und Unternehmensberater ihren Mandanten dazu, sich rechtzeitig für den Notfall abzusichern und sich neben dem medizinischen Notfallkoffer auch einen betriebsbedingten Notfallkoffer anzuschaffen.

Medizinischer und betriebsbedingter Notfallkoffer auf einen Blick

Medizinischer Notfallkoffer

Betriebsbedingter Notfallkoffer

medizinische Erste Hilfe

 

betriebsrelevante Unterlagen, Dokumente, Verträge zur Erhaltung des Betriebs bei Ausscheiden oder Wegfall des Geschäftsführers

Medikamente und sonstige Utensilien zur Notversorgung von Patienten

 

 

Pflicht

keine Pflicht

 

Inhaltliche Vorgaben gibt es keine

inhaltliche Vorgaben gibt es keine

Das ist in meinem medizinischen Notfallkoffer, was ist in deinem?

Was genau in einen medizinischen Notfallkoffer für die Arztpraxis muss, ist weder gesetzlich noch durch Vorschriften geregelt. Vielmehr gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen dessen, was im Notfall wichtig ist. In der Mehrheit der Fälle orientieren sich Ärzte und Ärztinnen an verschiedenen DIN Vorgaben, wie bspw. der DIN 13157 Vorschrift zur betrieblichen Ersten Hilfe. Hierin ist jedoch lediglich in erster Linie die Versorgung der Mitarbeiter geregelt. Im Grunde genommen handelt es sich bei dieser Art des Notfallkoffers um einen einfachen Verbandskasten, wie er auch in jedem PKW vorhanden ist. Da hier jedoch keinerlei relevanten Arzneimittel enthalten sind, empfiehlt es sich in jedem Fall, einen zweiten, gut ausgestatteten Notfallkoffer in der Praxis zu deponieren. Auch hierfür gibt es eine grobe Richtvorgabe, die sich Ärzte zu Nutze machen können: Die DIN 13232 zur Befüllung eines Arztkoffers.

Die Vorschrift gliedert das Füllmaterial in folgende drei Module:

Modul A: Allgemeines Material für die Notfallversorgung

Modul B: Besonderes Material für die Versorgung von Erwachsenen

Modul C: Besonderes Material für die Versorgung von Kindern

Die meisten Notfallkoffer in Arztpraxen sind nach dieser Vorgabe mit den Modulen A und B ausgestattet. Je nach Arztpraxis und Fachausrichtung kommt gegebenenfalls eine Aufstockung durch das Modul C hinzu. Grundsätzlich IMMER Teil des Notfallkoffers ist Modul A, da es sich hierbei um die absolute Basisausstattung für jeden Notfall handelt.

Bestandteile des medizinischen Notfallkoffers für Ärzte:

Die Ausstattung medizinischer Notfallkoffer lässt sich im Grunde genommen in fünf Kategorien einteilen:

  1. Absaugung und Beatmung: Absauggerät, Katheter, Beatmungsbeutel, Beatmungsmaske, Tubus...
  2. Intubation: Spatel, Magillzange, Trachealtubus mit und ohne Cuff...
  3. Diagnostik: Blutdruckmessgerät, Manschette, Stethoskop, Fieberthermometer, Bluttuckerteststreifen...
  4. Infusion: Kanülen, Fixierpflaster, Punktionsgerät, Elektrolytlösung...
  5. Ge- und Verbrauchsmaterial: Pinzette, Nadelhalter, Universalschere, Binden, Verbandspäckchen, Spritze, FFP3 Masken, OP Handschuhe...

Was kostet ein medizinischer Notfallkoffer?

Je nach Art und Ausführung unterscheidet sich naturgemäß auch der Preis für die Ausstattung des Notfallkoffers. Im Schnitt liegen die Preise bei Notfallkoffern mit den oben genannten Bestandteilen (Module A und B) zwischen 1.000€ und 2.000€.

Der betriebsbedingte Notfallkoffer für Ärzte

Wie bereits erwähnt, dient der betriebsbedingte Notfallkoffer in erster Linie dazu, den Geschäftsbetrieb nach Ausfall des Inhabers reibungslos zu gewährleisten. Denn immer häufiger kommt es vor, dass Mitarbeiter oder Erben nach dem Wegfall des Geschäftsführers mit einer großen Leere konfrontiert werden, da im Vorhinein schlicht keine Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen wurden. Wurde dagegen im Vorhinein an das Zusammenstellen eines betriebsbedingten Notfallkoffers gedacht, können aus der Ansammlung der betriebsrelevanten Dokumente leichter und vor allem schneller Entscheidungen getroffen werden, wie in etwa was mit der Praxis passieren soll, wem das Gebäude in Sachen Erbe zusteht, wer welche Vollmachten besitzt etc. Irrelevant ist dabei, ob die Dokumente digital oder in Papierform abgelegt werden. Wichtig ist nur, dass die Dokumente in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden, denn nur so kann ein durch und durch reibungsloser Übergang im Notfall gewährleistet werden.

Bestandteile des betriebsbedingten Notfallkoffers auf einen Blick

  • Mitgliedsbescheid der Ärztekammer
  • Grundbuchauszüge
  • Vermögensaufstellung
  • Mietverträge über die Räumlichkeiten der Praxis
  • Arbeitsverträge der Mitarbeiter und Gehaltslisten
  • Vereinbarungen und sonstige Verträge
  • Steuerunterlagen
  • Betriebliche Versicherungen
  • Geschäftliche Vollmachten
  • Verzeichnis der Anwälte und Berater
  • Betriebserlaubnis/ Zulassung
  • Gesellschaftsverträge (falls vorhanden)
  • Handelsregister (falls die Praxis als Kapitalgesellschaft/ GmbH gegründet wurde)

Neben Papieren und Unterlagen die Arztpraxis betreffend empfiehlt es sich auch, wichtige persönliche Dokumente wie Bankverbindungen, Geburts- und Heiratsurkunden, Rentenbescheide, den Ehevertrag und private Vollmachten sowie das Testament im Notfallkoffer aufzubewahren.