Von Natur über Freiheit hin zur Work-Life Balance: Welche Vorteile bietet das Familienunternehmen

 Rechtsanwalt & Steuerberater Christian Gernoth über seinen Einstieg in die Familienkanzlei. 

“Mein Ziel ist es nicht, in die Fußstapfen meines Vaters zu treten, sondern eigene Fußstapfen zu hinterlassen“. 

Christian Gernoth trat als Sohn des Kanzleigründers im Jahr 2012 in die Familienkanzlei ein. Er berichtet von den Vorteilen des Familienunternehmens und den zukünftigen Herausforderungen der Steuerberaterbranche. 

Schon von klein auf wuchs Gernoth mit detaillierten Einblicken in den Steuerberaterberuf auf, gründete sein Vater 1993 die Kanzlei Gernoth in Regen. Dort war er als Kind schon häufig anwesend, kannte die verschiedenen Kanzleiräume seines Vaters und machte recht früh seine ersten Erfahrungen mit dem Thema Steuerberatung. „Ich wusste von Anfang an, dass das keine trockene Materie ist, sondern auch spannende Aufgaben auf einen warten“, so Gernoth über seinen Berufswunsch als Jugendlicher.

Der Weg ins Familienunternehmen

Was Gernoth im Familienunternehmen als größte Herausforderung ansieht, ist es, die Kanzlei weiterhin genauso erfolgreich anzuführen wie sein Vater. In dessen Fußstapfen treten, möchte er dennoch nicht. Er betont, dass sie beide durch ihre unterschiedlichen Werdegänge verschiedene Blickwinkel auf die Steuerberatung haben und andere Schwerpunkte bei der Mandantenbetreuung setzen. Aus diesem Grund sieht er es als Chance, seine eigenen Fußstapfen in der Kanzlei zu hinterlassen. 

Anders als sein Vater, der Diplom-Finanzwirt ist, wählte Gernoth den Weg über das Jurastudium in die Steuerberatung. Für ihn ist die Doppelqualifikation als Rechtsanwalt und Steuerberater fast schon notwendig. Jede steuerliche Gestaltungsberatung benötige auch zivilrechtliche Beratung. Ohne rechtliche Fragen zu klären, würden auch viele steuerliche Projekte scheitern.

Wie wichtig interdisziplinäre Partner in einer Kanzlei sind

Eine Doppelqualifikation spielt demnach in jeder Kanzlei, ob groß oder klein, eine wichtige Rolle. Dahingehend empfinde Gernoth es auch als unerlässlich, selbst in kleinen Kanzleien interdisziplinäre Partner zu beschäftigen, um den Mandanten eine ganzheitliche Beratung anbieten zu können. 

Das Steuerrecht wird immer spezieller, betont Gernoth, und so sollten auch kleinere Kanzleien mehrere Spezialisierungen in einer Kanzlei vereinen. So kann das Steuerrecht aus mehreren Blickwinkeln betrachtet und angegangen werden, wie zum Beispiel aus juristischer oder wirtschaftlicher Sicht. „Die Herausforderungen, die die Zukunft der Branche mit sich bringt, können durch Partnerschaften auf mehreren Schultern verteilt werden“. Aus diesem Grund schätzt Gernoth die generellen Chancen auf eine Anstellung als Partner in einer Steuerkanzlei derzeit als sehr hoch ein. An einer Partnerschaft interessierten Steuerberatern würde er raten, sich frühzeitig mit dem Thema Selbstständigkeit zu beschäftigen und dieses Ziel stetig und nachhaltig zu verfolgen. Wichtig sei auch, dass sich Kanzlei und Partner zuvor gegenseitig kennenlernen, um herauszufinden, ob eine langfristige Zusammenarbeit in Frage kommt. Mehr zu den Karrierechancen in der Kanzlei Gernoth gibt es auch unter www.gernoth.de/karriere-steuerberatung.html

Professionalität und Vertrauen – Werte für eine gute Zusammenarbeit

Auf diese Werte legt Gernoth bei der Zusammenarbeit der Partner in der Kanzlei großen Wert. Nicht nur sollten die Partner fachlich auf Augenhöhe sein, sondern auch die zwischenmenschlichen Beziehungen sollten passen. Jeder Partner sollte zum Gelingen der Kanzlei beitragen. „Wir arbeiten nicht nur in der Kanzlei, sondern auch an der Kanzlei“, erklärt Gernoth und betont in diesem Zusammenhang, dass unternehmerische sowie vertriebliche Fähigkeiten beim Führen einer Kanzlei genauso wichtig sind wie die fachliche Expertise. Er sehe den Vorteil bei Partnerschaften darin, dass jeder sich auf einen Bereich spezialisieren könne, der ihm besonders liege. Am Ende des Tages sollten aber alle gemeinsam an einem Strang ziehen und es zum Ziel haben, Erfolg zu erreichen.

Welche Vorteile bietet die Familienkanzlei

Während und nach seinem Referendariat war Gernoth zunächst in Großkanzleien in Regensburg und München tätig, lernte so verschiedene Unternehmensstrukturen kennen. Das seien wichtige Erfahrungen gewesen, betont Gernoth, konnte er sich dadurch sicher sein, dass die Arbeit in der Familienkanzlei der richtige Weg für ihn persönlich ist. Generell sieht er in kleinen Familienunternehmen die Chance auf mehr Einflussmöglichkeiten, was unternehmerische oder fachliche Entscheidungen betrifft und mehr Freiheit, sich selbst zu entfalten. In Großkanzleien sei ihm aufgefallen, dass sich die Aufstiegsmöglichkeiten in die Unternehmenshierarchie langwierig und kraftaufreibend gestalten und es einige Mitarbeiter nie zu ihrem persönlichen Ziel schaffen. Im Gegensatz dazu seien die Chancen, in kleineren Betrieben aufzusteigen, viel höher. Auch die Work-Life-Balance überzeugte Gernoth vom Familienbetrieb. Hier ist es einfacher, flexibel auf die Wünsche der Mitarbeiter reagieren zu können und, anders als es in Großkanzleien häufig der Fall ist, wird von der Heimkanzlei aus gearbeitet. Hinsichtlich der Mitarbeiter kommt den Familienunternehmen eine besondere Verantwortung zu, meint Gernoth. Diese können, anders als in Großkanzleien, nicht einfach aufgrund von wirtschaftlichen Engpässen gekündigt werden. Die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter zu sichern, ist für Gernoth ein wichtiger Aspekt. 

Neben den guten Aufstiegsmöglichkeiten und der überzeugenden Work-Life-Balance mischte auch der Standort in seine Entscheidung für die Familienkanzlei mit. Die kleinen, ländlich gelegenen Kanzleien sagen ihm aufgrund der diversen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung wie Wandern, Mountainbiken oder Skifahren mehr zu als Unternehmen in der Großstadt. „Da muss man natürlich abwägen, was einem besser gefällt: Die Kulturangebote einer Stadt oder die Freizeitmöglichkeiten in der Natur. Ich persönlich habe mich für die Natur entschieden“, so Gernoth.

Auch der Zugang zu den Mandanten sei in kleinen Kanzleien anders, erzählt Gernoth. Während die Mandanten in Großkanzleien meist DAX-Konzerne oder ähnliches sind, berät man in kleinen Kanzleien eher die selbstständigen Unternehmer. Diese Mandanten sind normalerweise nicht vom Fach und benötigen eine andere Beratung als ein DAX-Vorstand. Großkanzleien kümmern sich zudem um die weltweite Betreuung großer Unternehmen, was kleine Kanzleien natürlich nicht anbieten können.

Eine Herausforderung der Zukunft sei es, die Qualifikation seiner Mitarbeiter stetig zu erhöhen durch Seminare oder Fortbildungen, um so der Entwicklung der Kanzlei nicht im Weg zu stehen. Gernoth pocht darauf, die Qualität der Beratung auf dem höchstmöglichen Niveau zu gewährleisten, und das geschieht nur durch eine gute Qualifikation der Mitarbeiter, so der Steuerberater. Somit sei er auf dem besten Weg, seine eigenen Fußstapfen in der Kanzlei Gernoth zu schaffen.